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Ein Leben für die Kunst ...


Willy Jaeckel
Graphiker, Maler, * 10.2.1888 Breslau, † 30.1.1944 Berlin. (evangelisch)
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Biographie
J. ging zuerst bei einem Dekorationsmaler in die Lehre. Aus Krankheitsgründen gezwungen, den Beruf zu wechseln, absolvierte er eine Försterausbildung, setzte aber nach deren Beendigung durch, doch Kunstmaler werden zu dürfen. Er besuchte unter härtesten Entbehrungen die Staatl. Kunstschule in Breslau und die Akademie in Dresden unter Otto Gußmann. Zunächst als freischaffender Künstler in Breslau tätig, ging er 1913 nach Berlin. Im gleichen Jahr erregte er dort Aufsehen bei der „Juryfreien Kunstschau“. Bald darauf schloß er sich der Berliner „Neuen Secession“ an und trat sogleich mit großformatigen Bildern hervor. Stets wünschte er in dieser Form tätig zu sein. Alle Bilder dieser Frühzeit sind jedoch durch Kriegseinwirkung verloren gegangen. Das ist besonders zu bedauern bei den 4 Wandbildern im Arbeiter-Speisesaal der Keksfabrik Bahlsen in Hannover. Nach Rückkehr aus dem 1. Weltkrieg wurde J. Mitglied der Preuß. Akademie der Künste. Sein kaum zu überschauendes Oeuvre beweist seine unermüdliche Tätigkeit. Er konzentrierte sich zumeist auf die Beherrschung eines Ausdruckmittels. So arbeitete er bis zu seinem Tode viel in Pastell, immer neue Techniken versuchend. Daneben entstand Druckgraphik in den verschiedensten Techniken, hauptsächlich Kaltnadelradierungen. In der Druckgraphik geht J. über den zu verarbeitenden Augenreiz hinaus. Er versucht hier, das wiederzugeben, was ihn als geistigen Menschen bewegt, wobei ihn besonders das Religiöse anzog. Als seine künstlerische Erbschaft können die 200 Kaltnadelradierungen zur Bibel „Menschgott-Gott-Gottmensch“ gelten, die er selbst als sein Hauptwerk betrachtete. Es entstand 1919-23 in seinem Haus in Gunzesried im Bayer. Allgäu, wo er in völliger Zurückgezogenheit lebte. Nach Vollendung dieses Werkes hörte er bald auf, druckgraphisch tätig zu sein. Es folgten Blumenstücke, Landschaften, Akte und Porträts in großer Zahl. Jetzt interessierte es ihn, den Menschen darzustellen. Unerbittlich zeigte er das „wahre“ Gesicht des Porträtierten, was ihn davor bewahrte, ein Gesellschaftsmaler zu werden. Seit 1925 war J. an der Staatl. Kunstschule zu Berlin als Lehrer tätig, die Sommer unter Freunden auf der Insel Hiddensee verbringend, wo er sich ein Haus baute. Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten brachte ihm große Schwierigkeiten. Seine Graphik verschwand aus den meisten öffentlichen Sammlungen. Seine Bilder wanderten in die Keller. Zweimal sollte er sein Amt verlieren, 1933 stellten sich die Studenten vor ihn und 1938 der General d. Flieger Milch. Er konnte bleiben, aber kein Student durfte mehr bei ihm Examen ablegen, ohne Gefahr zu laufen, durchzufallen. Er starb bei einem Fliegerangriff auf Berlin.
J.s Bilder waren anfangs von einem brutalem Realismus. In seinen Kompositionen war etwas von der Gewalttätigkeit der Zeit. Er gehörte zu den ersten, die den Krieg mit seinen Schrecken anklagten (Mappenwerk: Memento 1914/15, 1915). Die Lösung der ihn beschäftigenden religiösen Probleme befreite ihn dann von der gewalttätigen Form, und es wurde eine Zartheit und Transparenz frei, die gerade in seinen Blumenstücken auf Pastell von höchstem Reiz ist. Nur im Porträt ist noch etwas von der Spannung zum Gegenüber zu spüren. In seiner Zeit war er ein Einzelner, ein Realist mit expressivem Gemüt, keiner Schule zuzuordnen.
Von seinem Sohn Peter Jaeckel verfasste Biographie des Vaters
1888 / 10. Februar geboren in Breslau als Sohn eines Beamten. Nach Beendigung der Schule Lehre bei einem Breslauer Malermeister.
1904 / Abbruch der Lehre aus Gesundheitsgründen. Forstlehrling in den Wäldern an der schlesisch-russischen Grenze.
1906 / Studium an der Königlichen Kunst- und Kunstgewerbeschule (später Akademie) Breslau bei Eduard Kaempffer. Die Schwerpunkte des Lehrers lagen in der Porträt-, Figuren- und Monumentalmalerei.
1908 / Studium an der Dresdner Akademie der Bildenden Künste unter Otto Gußmann.
1911 / Rückkehr nach Breslau. Zweijährige Tätigkeit als Dekorationsmaler. Begegnung mit dem Buchhändler Anton Brüning, aus der sich eine intensive Freundschaft und ein lebenslanger Briefwechsel entwickelt.
1912 / Die Auswanderung nach Amerika endet in Ellis Island. Zurückgekehrt Erkennung seines Lebenszieles als Maler. Anmietung eines eigenen Ateliers. Es entstehen die ersten größeren Ölbilder: „Kampf” und „Dasein”; „Im romanischen Cafe“ (Berlin, Slg. Bröhan, Nr. 272).
1913 / Heirat mit der Möbelzeichnerin Charlotte Sommer.
Zur Breslauer Jahrhundertausstellung (100-Jahrfeier der Befreiungskriege) malt Jaeckel den Konditorei-Pavillon aus. Insgesamt kommen 5 Wandbilder für das Restaurant, 27 Silhouetten und 2 Blumenstücke zur Ausführung. Zum ersten Mal auf der Ausstellung der Juryfreien Kunstschau in Berlin vertreten. Der Erfolg bewegt ihn, nach Berlin überzusiedeln.
1913/14 Die Kollektivausstellung im Kunstsalon Fritz Gurlitt bewirkt den künstlerischen Durchbruch. Es entstehen die Gemälde „Liebespaar”, „Familie” (Dresden, Staatliche Kunstsammlungen, Galerie Neue Meister), „Selbstbildnis”, „Frau im blauen Kleid”, „Medea”, „Bildnis Charlotte Jaeckel”.
1914 / Geburt des Sohnes Peter
1915 / Gemälde „Loslösung”, „Sturmangriff”, „Meuterei”, „Sebastian” I und II, „Landschaft mit Brücke”, „Kämpfende Männer”. Die Mappe „Memento 1914/15" mit 10 Lithographien erscheint. Die Mappe wird wegen ihrer drastischen Schilderung der Kriegsgreuel kurz nach der Veröffentlichung verboten. Mitglied der Berliner Sezession. Soldat; Einsatz als Kartenzeichner in Russland.
1916 Mappenwerk „6 Biblische Motive” mit 6 Lithographien. Sonderurlaub von der Front zur Ausführung vier monumentaler Wandbilder für den Speisesaal der Arbeiter in der Keksfabrik Bahlsen Hannover: „Wanderer”, „Zärtlichkeit”, „Andacht und Schauen”, „Mütterlichkeit”. Die Bilder werden vor der endgültigen Aufstellung in vielen Städten gezeigt und bedeuten für Jaeckel einen überregionalen Durchbruch als Künstler. Ende des Jahres erneut Soldat.
1917 / Folge von 13 Lithographien zu „Das Buch Hiob”.
1918 / Die Berliner Nationalgalerie kauft die „Sandgrube” (1916) an und stellt sie in der ständigen Schausammlung aus. Serie von 5 Deckfarbenbildern „Die Enthauptung des Johannes” erscheint als Reproduktionsmappe.
1919 / Mitglied der Preußischen Akademie der Künste Berlin. Gemälde: „(Große) Kreuzigung”, für den Wettbewerb der Berliner Secession zur Wandmalerei „Gethsemane” (auf Papier), „Himmlische und irdische Liebe” (sämtlich nicht mehr erhalten). Serie von großen Landschaftsgemälden: „Russische Landschaft”, „Bergalpsee”, „See im Hochgebirge” (Berlin, Sammlung Bröhan, Nrn. 275, 277), „Berglandschaft” (Berlin, Nationalgalerie); „Bildnis Charlotte Jaeckel” (in der Ausstellung).
1919/20 Übersiedelung in die Stille nach Gunzesried im Allgäu. Intensive Studien der Bibel, fernöstlicher Religionen, Lehren der Theosophie und Anthroposophie. Beginn an dem umfangreichen Illustrationswerk zur Bibel „Menschgott — Gott — Gottmensch”
(200 Radierungen; bis 1923). Geistig und künstlerisch findet Jaeckel zu neuen Erkenntnissen, die sich auf sein Schaffen auswirken.
1920 / „Kosmische Liebe” (verschollen). „Das Neue Testament” (50 Platten) Mappenwerk „Die Matthäus-Passion” (16 Lithographien) und Illustrationen zu Walt Whitman „Grashalme” (13 Lithographien).
1921 / Autobiografischer Text für F. Gurlitt „Das graphische Jahr”. Illustrationen zu Richard Dehmel „Aber die Liebe” (32 Radierungen);
daneben Weiterarbeit an dem grafischen Bibelwerk, dessen erste Folge „Die Schöpfung” erscheint. Gemälde: „Entblühen des Gottmenschen aus dem Chaos”, „Mystische Zeugung (Danae)”, 1922 „Überschattung I”, 1923 „Überschattung II”, ca. 1923 „Paar” (Berlin), Sammlung Bröhan, Nr. 278).
1922 „Großes Selbstbildnis”. Gurlitt-Mappe mit 7 Radierungen erscheint. 15 Lithographien zu „Daniel”. 6 Radierungen zu „Epistel St. Pauli an die Römer”. Gurlitt-Mappe „Wandlungen der Liebe” (17 Radierungen).
1923 / 35 Radierungen zum 1. Teil (Die Hölle) von Dantes „Göttliche Komödie”. 12 Radierungen zu „Das Hohe Lied” in der Übertragung von Goethe. 7 Radierungen zu Paul Cohen-Portheim: „Das Lächeln der sieben Buddha”. Herbst-Ausst. (41.) der Berliner Sezession, Nr. 62; „Hochwald (Allgäuer Bergwald)”, „Waldstück”, Doppelbildnis „Geschwister Wilke” (ehemals DDR,Märkisches Museum Berlin).
1924 / Rückkehr nach Berlin.
12 Radierungen zu Pierre Louys „Lieder der Bilitis”.
8 Radierungen zu Walter von Molos „Fugen des Seins”.
Aufenthalt an der Dalmatinischen Küste (Ragusa); verschiedene dalmatinische
Landschaften: „Ragusa”, „Pinien”, „Dalmatinische Küste”,„Die Felsen von Ragusa”.
1925 Im Laufe der zwanziger Jahre wird Jaeckel ein angesehener und bekannter Berliner Maler. Er gehört zum Zirkel von Malerfreunden wie Max Pechstein, Alexander Kanoldt und Carl Hofer und als Mitglied der Preußischen Akademie der Künste zur Berliner Prominenz. Es wird zur Mode, sich von Jaeckel porträtieren zu lassen. Lehramt, Professor an der Staatlichen Kunsthochschule Berlin. Von da an regelmäßig iim Sommer in Kloster auf Hiddensee, wo er sich später ein kleines Haus baut und u.a. freundschaftlichen Verkehr mit Gerhart Hauptmann pflegt. Es beginnt die Reihe der Hiddensee-Landschaften, u.a.: „Regenbogen über Hiddensee”, ca. 1929 „Dünen auf Hiddensee”.
Die Reihe der realistischen Akte und Porträts setzt ein, u.a.:
1925 „Bildnis der Mutter” (verbrannt), 1925 „Mädchen im roten Kleid”, 1925
„Emanzipierte Frau”, „Ruhendes nacktes Mädchen”,
1926 „Mädchenbildnis”, 1927 „Liegende”, 1928 „Halbakt” (sämtl. Berlin Slg. Bröhan),
1926 „Hilde Busoni” (München, Bayer. Staatsgemäldesig.), 1928 „Junge Frau im
Atelier”, 1928 „Bildnis einer Tänzerin im weißen Pelz”, 1928 „Dame mit Zigarette”.
Jaeckels Leben eines anerkannten, etablierten Künstlers beginnt und soll bis zu seinem Lebensende anhalten. Er sieht seine geistigen Fragen beantwortet und das Ringen nach Erkenntnissen beendet.
1927 / Gemälde: „Boxkampf” (verschollen), „Selbstbildnis”.
6 Radierungen zu Eugen Georg „Die Götter der Tolteken”.
1928 / Gruppenbild „Gebrüder Ullstein” (verbrannt).
Georg-Schicht-Preis für das „schönste deutsche Frauenbildnis”, der mit einem Stipendium für ein Arbeitsseminar in der Villa Massimo in Rom verbunden war.
1928/29 Aufenthalt in Rom, Villa Massimo. Es entstehen 1929 die römischen Veduten:
„engelsburg” (verschollen), „Allee nach Castelgandolfo” I (verschollen) und II.
1930 Seit 1930 unterrichtet Jaeckel nicht nur an der Kunsthochschule, sondern hat auch eine Klasse in einer privaten Malschule. Jaeckel zählt zu Berlins „Künstlerfürsten” und feiert in seinem Atelier in der Motzstraße allseits beliebte große Feste.
1932 Porträt Gerhart Hauptmann (verschollen)
1933 Nichtbeamteter außerordentlicher Professor an der Staatl. Kunsthochschule Berlin.
Durch die Nationalsozialisten Entlassung; Wiedereinstellung auf Drängen der Studentenschaft.
1935 Angeblich auf persönliches Einschreiten von Hitler wurde ein Bild Jaeckels
(„Madonna”) aus der Großen Münchener Kunstausstellung entfernt.
1937 In der Ausstellung „Entartete Kunst” werden Werke von Jaeckel gezeigt, u.a. in Düsseldorf, Hamburg und Mannheim wird seine Grafik entfernt und vernichtet. Seine Bilder in öffentlichen Sammlungen verschwinden in Depots.
1938 Ein erneuter Versuch der Nationalsozialisten, Jaeckel aus seinem Lehramt zu vertreiben, scheitert.
40er J. In den letzten Lebensjahren entstehen zahlreiche Kohlezeichnungen (Akte) und Pastelle; Wiederaufnahme der mystisch-theosophischen Kompositionen, z.B.
„Einbringung aus der Materie”. Um sein Schaffen fortsetzen zu können, beschäftigt sich Jaeckel jetzt überwiegend mit „unverfänglichen” Themen wie Blumenstillleben, Landschaften und Auftragsporträts.
1943 Jaeckels Situation an der Hochschule wird unhaltbar. Seine Schüler dürfen zwar am Unterricht teilnehmen, die bei ihm absolvierten Abschlussarbeiten aber wurden nicht anerkannt. Er entschließt sich zum Rücktritt von seinem Lehramt.
Im Sommer noch einmal auf Hiddensee.
1943 Eine schwere Bombe trifft die Keksfabrik Bahlsen und vernichtet die Wandbilder Jaeckels im Speisesaal der Arbeiter.
Seine Mutter stirbt 80jährig in Breslau.
Am 21. November Zerstörung des Ateliers in der Kunstsschule an der Grunewaldstraße durch Brandbomben. Ein Großteil der Bilder verbrennt.
1944 Ende Januar kehrt Jaeckel nach Berlin zurück, um die endgültige Kündigung seines Lehramtes einzureichen. Am 30. Januar wird das Wohnhaus mit dem Privatatelier von schweren Brand- und Sprengbomben getroffen; Jaeckel wird im Luftschutzkeller verschüttet.
(Quelle: AK So war mein Denken, Miesbach 2000)
Seine Werke in ...
München
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Literatur
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Berlin
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The Art of Making
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